Wanderparadies

Wanderparadies Schönfelder Hochland

Der überwiegende Teil der Ortschaft Schönfeld-Weißig befindet sich mit seiner wertvollen wie interessanten Fauna und Flora im Landschaftsschutzgebiet Elbhänge Dresden – Pirna/Schönfelder Hochland, geprägt durch eine offene und abwechslungsreiche Hügellandschaft. Es sind die Täler und Hügel, die vom Elbtal in den Hang eingeschnittenen Kerbtälchen, die zahlreichen Teiche und kleinen Fließgewässer, die immer wieder auftauchenden charakteristischen Streuobstwiesen, aber auch die gepflegten Haus- und Wochenendgärten, die liebevoll gestalteten Ortskerne mit den zwischenzeitlich sanierten und instand gesetzten Gebäuden, aber auch die neu entwickelten Wohnanlagen, die die Menschen neugierig auf unser Hochland machen und zu Spaziergängen oder Wanderungen einladen. Oft geben aber auch interessante kulturgeschichtliche Sehenswürdigkeiten und Bauwerke oder die bekannte gutbürgerliche Küche einen willkommenen Anlass, um dem Schönfelder Hochland wieder und wieder einmal einen Besuch abzustatten.

Der Schönfeld-Weissiger-Bergweg (SWB)

entstand nach einer Idee und Konzeption Annette und Armin Hofmanns von den Klotzscher Wanderfreunden. Seit der offiziellen Eröffnung dieses Rundweges durch das Schönfelder Hochland am 30. November 2003 haben bereits tausende von Wanderfreunden ihr Herz für die über sieben Berge führende Rundwanderung entdeckt. Neben dem speziellen SWB-Wanderschildchen ist er zusätzlich in seinem Streckenverlauf durchgängig mit „grüner Punkt“ gekennzeichnet und mit neun Stempelstellen ausgestattet. Die erforderliche Stempelkarte (Wanderpass) für den SWB erhält man in der Verwaltungsstelle Schönfeld-Weißig, Bautzner Landstraße 291 und in den unmittelbar an der Strecke befindlichen gastronomischen bzw. kulturellen Einrichtungen. Nach Absolvierung des Rundweges – oder auch nur einer Teilstrecke – kann man sich in der Verwaltungsstelle Weißig eine Urkunde ausstellen lassen.

Der SWB ist auch im Wanderkalender des Sächsischen Wander- und Bergsteigerverbandes jährlich mit einem festen Termin im Juni verankert. Die Teilnehmerlisten belegen, dass zu diesen Terminen nicht nur sächsische Teilnehmer, sondern auch mehr und mehr Besucher aus anderen Bundesländern anreisen. Erwähnenswert speziell für Familien mit Kleinkindern ist in diesem Zusammenhang, dass von den Klotzscher Wanderfreunden an diesem Tag jeden Jahres neben der organisierten Bewanderung des SWB mit Streckenlängen von 13 km, 17 km, 20 km, 23 km und 30 km auch ein spezielles Event für die Kinder vorbereitet wird. Gemeinsam mit der Weißiger Spielwiese findet über insgesamt 5 km Länge eine Kinder- und Familienwanderung zum Napoleonstein und zurück mit Tieren statt. Treffpunkt ist jeweils an der Kinder- und Jugendfarm Spielwiese in Weißig.

Will man den gesamten Rundweg SWB in Angriff nehmen, sollte man doch etwas Kondition aufbringen. Für Gelegenheitswanderer ist eine Absolvierung der gesamten Strecke am Stück doch recht anspruchsvoll. Nach insgesamt 650 Höhenmetern hat man dann allerdings auch als Lohn für die Anstrengungen die schönsten Aussichtsberge mit beeindruckenden Ausblicken in die nähere und weitere Umgebung bewandert. Im Zusammenhang mit den „schönsten Aussichtsbergen“ muss aber auch darauf hingewiesen werden, dass das Schönfelder Hochland darüber hinaus weitere sehr schöne und beliebte Aussichtspunkte, wie beispielsweise die Rockauer Aussicht oder die Agneshöhe in Pappritz zu bieten hat.

Doch zurück zu unserem Bergweg. Dieser muss nicht gänzlich an einem Tage absolviert werden, man kann sich den SWB auch abschnittsweise vornehmen, denn jeder Streckenabschnitt hat auch seine besonderen Reize. So zum Beispiel die Kuppe des Weißiger Hutberges mit dem Steinbruch, die naturschutzrechtlich im höchsten Maße unter Schutz stehen und bereits vor Jahren zum Flächennaturdenkmal erklärt wurden. Die beiden Teiche im Steinbruch stellen einen besonders geschützten Lebensraum für europaweit gefährdete und unter strengen Schutz stehende Amphibienarten dar, zu denen Kröten-, Frosch- und Molcharten zählen. Zur Bewahrung dieses besonders geschützten Lebensraumes der Amphibien und der weiteren dort lebenden Kleintiere, wie Blindschleichen und Zauneidechsen, aber auch der einzigartigen Pflanzenwelt müssen die Wanderer unbedingt darauf achten, dass der markierte Wanderweg nicht verlassen wird.

Eng verbunden mit dem Hutberg und dem Steinbruch ist das Weißiger Zwergenvolk, welches hier früher lebte und unter dem Berg einen riesigen Silberschatz besaß. Die Zwerge waren äußerst friedliebend, gutmütig und hilfsbereit. Allerdings erwarteten sie im Gegenzug auch Verlässlichkeit auf fristgemäße Rückgabe, wenn sie mit ihrem Silber in Not Geratenen aushalfen. Nach einer überlieferten Sage soll es sich einmal zugetragen haben, dass einem Bittsteller vom Silberschatz gegeben wurde, dieser jedoch die Hilfe der Zwerge mit versuchter List schamlos ausnutzte, um das Silber behalten zu können. Für seine Unzuverlässigkeit und Schamlosigkeit wurde er in der Folge schwer vom Schicksal heimgesucht. Die Weißiger Hutbergzwerge leben heute nicht mehr am bzw. im Hutberg. Eines Tages zogen sie in der Frühe weg in Richtung Erzgebirge. Die Weißiger bedauerten sehr den Weggang der Zwerge, denen sie sehr viel Gutes zu verdanken hatten. Die Schülerinnen und Schüler der Weißiger Hutbergschule bewahren durch ihre gelegentlichen Auftritte im Kostüm der Hutbergzwerge die Erinnerung an diese liebevollen Geschöpfe.

Der SWB führt zwischen Napoleonstein – ein aufgestellter Gedenkstein und eine Informationsstele erinnern hier an die Anwesenheit des Kaisers während eines Erkundungsrittes am 28. Juni 1813 – und Schullwitz auch einige Meter auf der historischen Trasse der alten Hornstraße entlang, der früheren Fernwegeverbindung zwischen Bautzen und Dresden.

Noch vor Erreichen des Triebenberges erhält der Wanderer an der Raststätte am früheren Haltepunkt Schullwitz-Eschdorf der ehemaligen Eisenbahnlinie interessante Informationen zu der von 1906 bis 1951 einspurig betriebenen Eisenbahnstrecke zwischen Weißig und Dürrröhrsdorf. Im Zuge des Ausbaus und der Umgestaltung des früheren Bahndammes zum ersten „Themen Fuß- und Radweg der Landeshauptstadt Dresden“ wurde hier ein sehr schöner Rastplatz eingerichtet. Dank der Hilfe der Eschdorfer Bürger, Vereine und vor allem der finanziellen Unterstützung der Gewerbetreibenden konnte das einzige verbliebene bauliche Relikt der Eisenbahnstrecke, eine nur noch aus ruinösen Resten bestehende Wartehalle, wieder originalgetreu hergestellt und zugleich als Rastplatz für die Wanderer gestaltet werden.

Vom Bahnwartehäuschen aus ist ein Abstecher in das von der Eschdorfer Kirche betriebene Museum auf dem Dachboden sehr empfehlenswert. Hier wird über die Eschdorfer Geschichte in Wort und Bild sowie mit Gegenständen informiert. Das Museum hat keine durchgängigen Öffnungszeiten, so dass sich Interessenten im Pfarrhaus melden müssen.

Nach Verlassen des Bahndammes erreicht der Wanderer schon bald die bereits erwähnte höchste Erhebung der Landeshauptstadt Dresden. Früher war der Triebenberg mit seinen 383 m ü. NN unbewaldet. Erst mit der Stationierung der sowjetischen Streitkräfte, die die exponierte Lage des Triebenberges zum strategischen Beobachtungspunkt für die Luftüberwachung auserwählten, wurde er durch einen breiten Baumgürtel als Sichtschutz aufgeforstet. Schade, denn ohne diesen Bewuchs hätte man von dieser Stelle nach wie vor den hervorragenden und einzigartigen Rundumblick, wie ihn noch unsere Vorfahren kennen und wie es ihn wohl in dieser Art in der weiteren Umgebung auch nicht wieder gibt. Nach Abzug der Roten Armee hatte sich die Gemeinde Schönfeld-Weißig für eine sinnvolle Nutzung der vorhandenen Gebäudesubstanz auf dem Triebenberg eingesetzt. Im Zusammenwirken mit der Technischen Universität wurde so an dieser Stelle ein für die Wissenschaft bedeutender Forschungsstandort mit einem Speziallabor für höchstauflösende Elektronenmikroskopie und Elekronenholographie sowie eine Sternwarte des Lohrmann-Observatoriums der TU Dresden etabliert. Nach Anmeldung sind für kleinere Gruppen Besichtigungen der Forschungseinrichtungen mit entsprechenden weiterführenden Informationen durchaus möglich.

Nach einem kurzen Abstecher zum Doberberg (294 m ü. NN) außerhalb unseres Stadtgebietes führt der Weg über die „Hohen Brücken“ zurück zum Borsberg. Mit Hohen Brücken wird ein Quellgebiet des Bonnewitzer Baches bezeichnet. Namensgebend waren hierfür die teils mehrjöchigen und übereinander liegenden Steinbrücken, die die Kerbtäler und Hangdellen bis nach Zaschendorf überqueren. Einige Brücken haben in ihrem Schlussstein römische Ziffern sowie die kurfürstliche Krone – in einem ist die Jahreszahl 1789 enthalten.

Der Borsberg mit einer Höhe von 362 m ü.NN ist der – von Dresden aus gesehen – markante Abschluss des Loschwitz-Pillnitzer Elbhanges. Leider sind die historisch interessanten Baulichkeiten aus dem 18. Jh. ebenso wie der ehemalige Aussichtsturm in einem äußerst desolaten Zustand. Infolge des Baumbewuchses ist somit auch von dieser Stelle aus überhaupt keine Aussicht mehr in das Umland möglich. Die früher sehr beliebte Ausflugs-Bergwirtschaft wird demnächst als Wohnanlage ausgebaut. 1780 ließ der Kabinettsminister Graf Marcolini dem Kurfürsten hier eine Eremitage (künstliche Grotte) als Geburtstagsgeschenk errichten. Leider ist auch diese nicht mehr zu besichtigen. Die zur europäischen Gradmessung im Jahre 1865 errichtete Triangulierungssäule 1. Ordnung ist trotz Baumbewuchs gut sichtbar zu erkennen.

Über den Friedrich-August-Weg taucht der Wanderer nun bis in den landschaftlich reizvollen Ausgang des Friedrichsgrundes ein. Der Friedrichsgrund erstreckt sich von Pillnitz bis eben zum Standort der Meixmühle. Der Mühlenstandort ist als solcher zurück bis in das Jahr 1403 verbürgt. 1886 wurde zusätzlich zum Mühlenbetrieb die Einrichtung einer Restauration auf dem Grundstück genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt war allerdings noch nicht abzusehen, dass die Lokalität bereits kurz nach der Eröffnung derartig gut als Zieladresse angenommen wurde und der Besitzer der Meixmühle 1894 die Tanzerlaubnis erhielt. Leider brannte die Meixmühle im darauf folgenden Jahr völlig nieder. Bereits ein Jahr später erhielt der Eigentümer für das wieder aufgebaute Wohnhaus erneut die Schankerlaubnis. In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Meixmühle (Gartengebäude, Kioske, Veranden), der Mühlteich wurde zu diesem Zeitpunkt zum Gondeln genutzt. In der zweiten Hälfte des 20. Jh. wurde die Meixmühle als Ferienobjekt ausgebaut. Seit den 90er-Jahren ist sie wieder eine beliebte Ausflugsgaststätte.

Unser SWB führt von hier aus jedoch nicht über den Friedrichsgrund nach Pillnitz, sondern dem Meixbach folgend aufwärts nach Reitzendorf. Hier lohnt auf alle Fälle ein Besuch des durch die Mitglieder des Heimatvereins Schönfelder Hochland mit viel Liebe und Aufwand hergerichteten und betriebenen Kleinbauernmuseums. (www.kleinbauernmuseum.de)

Der SWB führt die Wanderer nun am Schirrberg vorbei zur Malschendorfer Höhe (304 m ü. NN). Vielen Besuchern ist in Malschendorf eher die Naturschänke mit ihrer ausgezeichneten gutbürgerlichen Küche als eine der beliebtesten Ausflugslokalitäten der Dresdner Umgebung bekannt. Dennoch sollte man den Blick von der Malschendorfer Höhe aus in und über das Elbtal auf die Kammlinie des gesamten Osterzgebirge nicht versäumen und auch in aller Ruhe genießen. Ein von den Malschendorfer Einwohnern gestifteter Gedenkstein erinnert hier an ihren verdienstvollen Ortschronisten, Heimatforscher und Mitinitiator des Kleinbauernmuseums Eberhard Pabst (1929 – 2004).

Durch abwechslungsreiche Landschaft, vorbei an zwei ehemaligen Mühlenstandorten sowie einem der zahlreich im Schönfelder Hochland existierenden Reiterhöfen führt der SWB nun nach Schönfeld. Die Stempelstelle befindet sich am Gebäude der Alten Brauerei unmittelbar am Rande des Schönfelder Marktes.

Neben der Schönfelder Kirche und dem über 300 Jahre alten Pfarrhaus befindet sich das Renaissanceschloss Schönfeld als dominantes Bauwerk. Das Schloss wurde auf den Resten einer vorherigen frühfeudalen Wasserburg errichtet. Verbürgt als Herrensitz geht Schönfeld mindestens auf die Zeit 1378 zurück. Das Schloss wurde bis in die 30er-Jahre des 20. Jh. als herrschaftlicher Wohnsitz genutzt. Im Jahre 1939 verpachtete der damalige Besitzer das Schloss fast ohne jeglicher Möblierung an die Gemeinde Schönfeld, die das Objekt während der Kriegsjahre dem Reichsarbeitsdienst als Betreuungs- und Versorgungsstützpunkt überlies. Danach durchlebte das Schloss vielerlei Nutzungen, die für eine so historische Schlossimmobilie eher ungewöhnlich sind. Bis hin zum maschinenbetriebenen polytechnischen Unterricht waren hier bis zum Ende der 80er-Jahre Gemeindebücherei, Standesamt, Landkino, Schulräume und Wohnungen untergebracht. Leider unterblieben dringend erforderliche Instandsetzungsarbeiten am Schloss und Teich. Nach der Teichsanierung und Gebäudesicherung konnte ab 2005 der erste Abschnitt der Sanierungsarbeiten soweit abgeschlossen werden, dass eine Teilnutzung wieder möglich war.

Der Ortschaftsrat Schönfeld-Weißig hatte 2004 einer Konzeption des Magischen Zirkels Bartolomäo Bosco e.V. zur Entwicklung des Renaissanceschlosses zum Zauberschloss zugestimmt. Seitdem haben die Mitglieder und Freunde des zwischenzeitlich gegründeten Kultur- und Kunstvereins Schloss Schönfeld e.V. mit unbeschreiblichen, enormen ehrenamtlichen Engagement dem Schloss wieder zu Leben und Bekanntheit verholfen. Die Türen wurden schon im März 2005 durch den Verein für neugierige Blicke geöffnet. Allein bis zu 5.000 Besucher an einem einzigen Tag wurden beispielsweise zur SZ-Schlössertour gezählt! Bereits seit April 2005 wird auch auf zwei Bühnen vor begeistertem Publikum gezaubert. In den übrigen nutzbaren Räumen finden ständige Ausstellungen zur Magie und der Schlossgeschichte bzw. wechselnde Ausstellungen zu anderen Themen, Familien- und Firmenfeiern oder sonstige Veranstaltungen statt. Die Hochländer sind nicht nur froh mit der Entwicklung ihres Schlosses, sondern vor allem auch Stolz auf diese Perle des Schönfelder Hochlandes. Leider haben sie selbst keine Möglichkeiten, die Sanierungs- und Instandsetzungsarbeiten schneller zum Abschluss bringen zu lassen. (www.daszauberschloss.de)

Stolz sind die Schönfeld-Weißiger aber auch auf ihr Hochland mit den vielen Natur- und Landschaftsschönheiten, die man am besten zu Fuß genießt. Deshalb führt der SWB vom Markt Schönfeld aus noch einmal auf die Trasse der früheren Eisenbahn. Die verbleibende Wegstrecke des Rundweges zurück bis zum Ausgangspunkt nach Weißig gestaltet sich recht kurzweilig, wozu nicht zuletzt auch aufgestellte Informationstafeln und Eisenbahnrelikte mit ihren thematischen Bezug zur früheren Bahntrasse beitragen.

Der DichterMalerMusiker-Weg (DMM)  

nimmt die Tradition der Dichter, Musiker und Maler vornehmlich des 19. Jh. wieder auf, als diese von Dresden aus die Landschaft bis in die Sächsische Schweiz für sich entdeckten. Der Dresdner Wanderfreund Hans-Werner Lier gilt als Vater des DMM. Nach jahrelanger Vorbereitung wurde der Dichter-Musiker-Maler-Weg im Jahr 2000 von ihm und seinen Mitstreitern aus der Taufe gehoben und ist mittlerweile ebenfalls mit Stempelstellen ausgestattet. Ursprünglich führte der Weg ab Pillnitz über Lohmen und die Bastei nach Hohnstein und weiter durch den Tiefen Grund bis nach Bad Schandau sowie dann weiter durch das Kirnitzschtal bis zum Prebischtor.

Für uns ist von Interesse, dass es die Künstler aus der Residenzstadt Dresden und auch die Studenten der berühmten Königlichen Kunstakademie jedoch nicht erst ab Pillnitz in die Landschaft zog. Immer mehr haben sie die unmittelbar vor der Haustür befindlichen herrlichen Hügel und Täler des Schönfelder Hochlandes mit der fast unberührten Natur für sich entdeckt.

Wir beginnen unsere Wanderung im Wachwitzgrund entlang des mit dem „gelben Strich“ markierten Wanderweges ins Schönfelder Hochland. Vorbei am Bildungswerk „Initiative Christen für Europa“ in Pappritz und dem ehemaligen Hotel „Pappritzer Hof“ sowie an der neu entstandenen Wohnsiedlung „Am Helfenberg“ durchqueren wir den Helfenberger Grund, um bald nach einem kurzen Anstieg inmitten des Helfenberger Parks zu stehen. Angrenzend an die Rittergutsanlage wurde der Park vermutlich bereits Anfang des 17. Jh. im Renaissancestil angelegt. Der Park wurde später mehrfach umgestaltet, so auch neoklassizistisch Anfang des 19. Jh. (ab 1806). In dieser Zeit wurden vermutlich auch die sehr beeindruckenden Hängebuchen und auch der Tulpenbaum gepflanzt. Der Helfenberger Park stellt heute einen kleinen, aber umso bemerkenswerteren Landschaftspark dar.

Der Standort des Rittergutes selbst geht nachweislich auf das Jahr 1349 zurück und wurde in früherer Zeit als „Castrum Helfenberg in districtu Dresden situm“ bezeichnet. Die alte Burg muss sich früher jedoch auf der gegenüberliegenden Seite des Helfenberger Grundes – fast auf Pappritzer Flur – befunden haben, die Reste der Ruine sind nur noch schwer erkennbar.

Nach Verlassen des Parkes werden die DMM-Wanderer nun zu einer der schönsten Aussichtspunkte des Schönfelder Hochlandes geführt, der Rockauer Aussicht, auch „Sachsens Hiefel“ genannt. Das Wort „Sachsen“ steht dabei nicht für das Land Sachsen, sondern nimmt vielmehr Bezug auf den früheren Grundstückseigentümer. Mit dem Wort „Hiefel“ könnte nach meiner Auffassung ein hölzernes Gerüst zum Heutrocknen gemeint sein, das der Bauer vermutlich an dieser Stelle aufgestellt hatte. Früher verwendeten die Bauern umgangssprachlich für Bezeichnung der Lage ihre Felder und Wiesen allseits gebräuchliche Wörter, wie beispielsweise „Galgenberg“, „Bartwiese“, „Steinrücke“, die heute bei einem rein örtlichen Bezug mangels Überlieferung vielerorts meist nicht mehr bekannt sind. Der Blick in und über das Elbtal ist von hier aus ganz einfach faszinierend! Die Rockauer haben hier mit viel Fleiß und Liebe im Jahre 2007 den touristischen Aussichtspunkt und in der Nähe einen schönen Kinderspielplatz geschaffen. Dank finanzieller Bürgerspenden konnte eine geodätische Orientierungstafel aufgestellt werden, um beispielsweise den in 31 km Entfernung liegenden Schneeberg oder den Geisingberg im Osterzgebirge lokalisieren zu können. Durch das engagierte Wirken der Rockauer Bürgerinitiative konnte auch die lang ersehnte Umgestaltung des Dorfplatzes bis hin zur Wiedererrichtung des Rockauer Dorfbrunnens vollzogen werden.

Bergab geht es nun in den Keppgrund bis zur Gemarkungsgrenze unserer Ortschaft. Die Keppmühle wurde schon im 16. Jh. erwähnt und blickt auf eine ereignisreiche Geschichte zurück, als Baujahr des jetzigen Gebäudes wird das Jahr 1781 angegeben. Die Keppmühle war von je her ein beliebter Ausflugsort, Künstler wie der Komponist Carl Maria von Weber oder der Maler Adrian Zingg holten sich hier im Keppgrund die Kulisse für ihre künstlerischen Inspirationen. Der Mühlenbetrieb wurde 1903 eingestellt, danach fungierte die Mühle bis zum Ende der 90er-Jahre als Ausflugslokal. Die Keppmühle war besonders unter der Studentenschaft sehr beliebt und Ziel von Semesterabschlussfeiern. Leider ist das Objekt gegenwärtig nicht mehr bewirtschaftet. Jedoch ist das äußere Erscheinungsbild allemal noch beeindruckend und sehenswert.

Der Durchgang des markierten Wanderweges nach Hosterwitz und Pillnitz ist wegen einer eingestürzten Stützmauer gegenwärtig gesperrt. Der Wanderer kann jedoch an der Keppmühle bergan Richtung Westen abbiegen und erhält auf diesem kleinen Umweg noch den Ausblick vom Zuckerhut-Aussichtspunkt, bevor er schließlich auf Serpentinen nach Pillnitz absteigt und hier wieder auf den DMM trifft.

Zahlreiche weitere Wandertouren

durch das Schönfelder Hochland wurden in den vergangenen Jahren als Strecken- oder bevorzugt als Rundwanderungen erarbeitet und publiziert.

Als empfehlenswerte Streckenwanderungen bieten sich Aufstiege aus dem Elbtal durch die Weinberge und Wälder des Naturschutzgebietes „Dresden-Pirnaer-Elbhänge“ an. Anfangs- und Endpunkte sind meist gut mit den Bussen des ÖPNV erreichbar. Besonders reizvoll sind hierbei die Wegeführungen entlang der landschaftscharakteristischen Kerbtälchen, wie beispielsweise durch den Wachwitzgrund oder ab Niederpoyritz durch den Helfenberger Grund bzw. dem Pressgrund. Gern werden auch als Aufstieg/Abstieg der bereits unter dem DMM genannte Keppgrund, der Vogelgrund bzw. der Friedrichsgrund und auch der Tiefe Grund ab Graupa genutzt.

In Graupa kann man beispielsweise eine sehr schöne, reichlich 10 km lange Wanderung durch das Schönfelder Hochland bis nach Dresden-Bühlau beginnen. Man benutzt zunächst die „gelber Punkt“ Markierung bis zur Meixmühle und wechselt dort auf die „roter Punkt“ Markierung, die den Wanderer über Malschendorf, Eichbusch, Rockau, den Helfenberger Park und die Gönnsdorfer Höhe nach Bühlau führt.

Von Pillnitz nach Weißig (9 km) orientiert man sich am besten durchgängig an der Wandermarkierung „grüner Strich“, die durch den Keppgrund (oder alternativ über den Zuckerhut direkt) bis Malschendorf und danach ab Schönfeld entlang des alten Bahndammes verläuft.

11 km lang ist die Strecke von Pillnitz durch das Schönfelder Hochland nach Niederpoyritz: Vom Pillnitzer Rathausplatz aus führt der Weg am Eingang des Friedrichsgrundes über die Jagdwege („grüner Balken“) auf den Borsberg. Hier wechselt man auf den „roter Punkt“ Weg. Diese Markierung führt die Wanderer nun bis nach Malschendorf, wo wiederum auf den „grüner Balken“ gewechselt wird, um anschließend ab der Keppmühle nach Rockau und Helfenberg der „gelber Balken“ Markierung zu folgen ist. Der letzte Teilabschnitt dieser Strecke bis ins Elbtal führt durch den Helfenberger Grund.

Fast alle Ortsteile des Schönfelder Hochlandes bieten auch ideale Ausgangspunkte für Rundwanderungen.

Zunächst ein Vorschlag für das in den vorangegangenen Beschreibungen weniger tangierte Weißig: man kann auf einer Strecke von etwa 14 km von Weißig aus bis zum Karswald wandern. Die Runde führt ab dem alten Weißiger Ortskern über den sogenannten Leichenweg durch das neu entstandene Gewerbegebiet und über den Golfplatz nach Ullersdorf. Der „gelber Punkt“ Weg leitet uns über den Bischofsweg zum Karswald, wo wir am Steinhübelweg auf den „grüner Balken“ Weg wechseln und so über Rossendorf und dem Napoleonstein direkt wieder zurück nach Weißig kommen.

Die Pappritzer Kirsche markiert einen örtlichen, ausschließlich um Pappritz führenden und nur 5,4 km langen, kleinen Rundweg mit interessanten Informationen zum Ort selbst sowie Hinweisen zu den Blickbeziehungen in das Umland. Dieser Rundweg, der durch die Einwohner gern auch als Spaziergang mit ihren Besuchern genutzt wird, beginnt am Pappritzer Dorfteich und kann auch nur abschnittsweise begangen werden.

Wählt man Schönfeld als Start- und Zielpunkt einer Wanderrunde, kann man einen 12 km langen Streckenverlauf, beginnend auf dem alten Bahndamm in Richtung Schullwitz und Eschdorf bis zum rekonstruierten Haltestellengebäude der früheren Eisenbahn, wählen. Von dieser Stelle aus bietet sich ein Abstecher zum früheren Eschdorfer Rittergut (nachweislich erstmals urkundlich 1346 erwähnt), in jüngerer Zeit unter Quant’sches Gut, auch Semperhof bekannt, an. Der Hof mit dem Gebäudeensemble des früheren Gutes ist zwar kein offizielles Besichtigungsobjekt, jedoch macht meist schon der Name „Semper“ neugierig. 1832 erwarb J. Quandt das Gut. Gesindehaus mit Kuhstall, die neue Scheune und das Seitengebäude mit Brauerei, Tanzsaal und Schlachthaus wurden 1837/38 im damals „eigenthümlichen Style“ errichtet. Somit bestand das Gut langfristig aus 5 Gebäuden, die dreiseitig um den langgestreckten Gutshof gruppiert waren. Die Struktur ist auch heute noch erkennbar. Leider war auch dieses Anwesen einem jahrzehntelangen Verfall Preis gegeben. In den vergangenen Jahren hat sich ein Interessent gefunden, der nach und nach die Sanierung und Instandsetzung des Gutes zu einer Wohnanlage durchführen wird. Und was hatte Semper mit dem Gut zu tun? Der guten Bekanntschaft des Eigentümers zu Gottfried Semper ist es wohl zu verdanken, dass aus seiner Hand die Planung für den Kuhstall stammt. Der angrenzende und sich bis zum Bahndamm ausdehnende Park gehörte schon immer zum Rittergut. Den Park in der heutigen Form mit seinen artenreichen Laubmischgehölzen sowie dem Teich mit Bachlauf und der Freifläche hatte vermutlich Freiherr von Quandt anlegen lassen. Im Park befindet sich übrigens ein steinernes Fragment des Dresdner Künstlers Adrian Jähne. Bevor es wieder hinauf zum Bahndamm geht, sei noch ein Hinweis auf das sich in der unmittelbaren Nachbarschaft befindende Geburtshaus von Traugott Bienert, späterer Besitzer der Hofemühle im Plauenschen Grund, gestattet. Für den Rundweg nach Schönfeld wird nun die Bahntrasse gequert und entlang der „Plattenstraße“ am Fuße des Triebenberges nach Zaschendorf (grüner Punkt) gewandert. Von hier aus führt der Messweg an Reitzendorf vorbei direkt bis zur Straßenkreuzung Malschendorf – Schullwitz. Ratsam ist jedoch an der Schullwitzer Straße in Reitzendorf den Messweg zu verlassen und vorbei am Kleinbauernmuseum den Weg in Richtung Schönfeld zu nehmen.

Die vorstehenden Ausführungen sollen Ihr Interesse für die landschaftliche Schönheit unserer Region wecken. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Bernd Mizera

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